Es ist bereits eine Weile her, seit sich die Weltelite der Evangelikalen in Südafrika zur legendären Lausanne-Konferenz versammelt haben. Kürzlich las ich auf The Guardian einen überraschend erfrischenden wie auch kritischen Rückblick mit dem Titel The power of Lausanne. Besonders unerwartet aber vielleicht gerade deswegen ausserodentlich treffend, ist die markante Aussage am Ende des Artikels:

We are all waking up to the fact that transformational influence doesn’t always come from a few platform giants and can’t always be written down on pieces of paper. This isn’t necessarily the postmodern atomisation of power (…) It’s the recognition that something called the priesthood of all believers is what makes God come alive to many people outside the church.

Womit wir wieder einwenig zurück zur Reformation kämen. Vielleicht ist es in der Tat eine der wichtigsten Fragen und Herausforderungen der Christenheit in der Gegenwart: Die Wiederentdeckung der Priesterschaft des Volkes!

 

In letzter Zeit fand ich mich oft in Gesprächen wieder, als wir plötzlich gar nicht mehr recht wussten ob mein Gegenüber und ich nun vom selben sprechen oder nicht – ganz besonders wenn es um “missional” ging. Das ist ja auch nicht weiter überraschend, denn das Thema ist vielschichtig, historisch geprägt, persönlich gefiltert und kann auf unterschiedlichste Weisen angegangen werden. Was fehlt ist ein einfaches Instrument, welches mit klärenden Fragen Überblick schafft. Aus dem Grund habe ich das Missionaloskop entwickelt.

Diese folgt nicht der sonst üblichen x/y Logik, weil durch diese jede Antwort bereits einer Wertung entsprechen würde: Ja = 0; Nein = 1. Oder: Ja = -1; Nein = +1. Das geht nicht, weil die missionale Diskussion die radikale Mitte sucht. Aus dem Grund ist die Frage mittig und jede Antwort tendiert zu einem Extrem, jede Antwort entspricht so gesehen in seine Richtung -1.

Somit ist der missional Standpunkt “weder noch” respektive “sowohl als auch”. Die beiden gegenüberliegenden Fragen hängen jeweils zusammen und bilden ein Paar: “Kultur/Kontext” mit “Welt”; “Besitzer” mit “Tätigkeit”.
Die relevanten sowie ploraisierenden Fragen sind:
- Was wird unter der Welt verstanden, in welcher wir gesandt sind?
- Wem gehört die Mission: Gott oder uns?
- Welches sind unsere Aufgaben/Tätigkeiten als Gesandte?
- Führt uns der Missionsauftrag aus unserem Kontext heraus, oder verlangt er von uns dass wir unser angestammtes Umfeld erreichen?

Um die vier resultierenen Extreme etwas besser verstehen zu können, wurde beispielhaft ein Personenname eingefügt. Zu jedem Namen ist eine fiktive Mikrobiographie angefügt. Diese Lebensgeschichten zeigen mögliche Auswirkungen im Leben und Alltag auf, je nach dem wie die Personen die obigen Fragen für sich beantwortet.

Ich hoffe mit diesem Vorschlag einen Beitrag zur Klärung und Schärfung der Diskussion leisten zu können. Das Instrument erhebt nicht Anspruch auf Vollständigkeit: Vorschläge zur Präzisierung, Verbesserung, Schärfung, etc. können gerne per E-Mail gesandt werden an:
yada5mos435~at~gmx~net.

 

Seit heute ist Raphael als Autor auf missional.ch registriert: Herzlich willkommen!

 


Selbstverständlich liegt grundsätzlich jeder Gläubige richtiger als der Andere. Und jede Tradition hat auch seine eigene, bessere Spiritualität entwickelt – wenn nicht sogar seine eigene christliche Kultur. Dadurch sind die Unterschiede nicht kleiner geworden. Und die Distanzen auch nicht. Das beigefügte Bild macht mit viel Humor eine stark vereinfachte Gegenüberstellung. Auf diese Weise kann leicht herausgefunden werden, welches Bild beispielsweise ein Katholik von einem Charismatiker hat. Natürlich hält es jedem Christ selber auch ein wenig den Spiegel vor …
Das ganze Bild findest du hier, gefunden habe ich es hier. Viel Spass!

 

Theoretisch ist eine ganzheitliche Schau von Gottes Mission sowie seiner Sendung uns betreffend eigentlich breit akzeptiert. In der Praxis scheint aber eine alltagstaugliche Umsetzungsvariante oft zu fehlen und als Folge davon wird gerne im selben Trott fortgefahren wie bisher. Ich bin immer wieder erstaunt bis schockiert, wie stark beispielsweise das Verständnis der Missionsbefehle unter uns noch immer komplett auf Auslandmission reduziert werden. Als Folge davon schreibe ich den Missionsauftrag von Jesus einmal so, wie es mir scheint dass er bedauerlicherweise verstanden und umgesetzt wird – selbstverständlich basierend auf meinen ganz persönlichen und natürlich äusserst subjektiven und hoffentlich vollständig falschen Beobachtungen:

Und Jesus sprach zu seinen Nachfolgern in der Schweiz: «Gehet hin in die entlegensten Winkel und zu den exotischsten Volksgruppen auf diesem Globus. Lernt dort die Sprache der Einheimischen damit ihr mein Buch übersetzen und ihnen von mir erzählen könnt; Machet sie zu Gottesdienstbesuchern entsprechend eurer Denomination und lehret sie alles halten was euch in der Schweizerkultur auch als gute Christen auszeichnet. Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden; trotzdem wird es euch dank finanzieller Unterstützung, Versicherungen, Rega und Altersvorsorge gut gehen. Denjenigen die so glauben werden diese Zeichen folgen: In meinem Namen werden sie zeitgemässe Lobpreislieder übersetzen, ergreifende Gebetsberichte versenden, grosse Konferenzen abhalten, einige Konvertiten hervorbringen, andere zur Nachahmung gewinnen und schöne Institutionen hinterlassen. Und siehe, bis ans Ende eurer Lebenszeit werdet ihr davon überzeugt bleiben, dass ihr Gottes Mission und eure Sendung verstanden habt.»

 

Gemäss dem kürzlich erschienen und äusserst positiven Artikel im Tages Anzeiger sei das IGW eine innovative Kaderschmiede für charismatische Pastoren. Zudem sei es inzwischen die wichtigste Ausbildungsstätte der Evangelikalen. In Zürich lernen angehende Pastoren beispielsweise zu neuen Ufern aufzubrechen und Skater- oder Fitnesskirchen zu gründen.

 

Leiden, Krankheit wollen heute so schnell wie möglich überwunden werden. Viele Christen glauben an die Möglichkeit von umfassender Heilung. Das erscheint mir grundsätzlich unterstützungswürdig. Solch schwierige Lebensumstände können aber auch eine (missionale) Chance sein. In der Zeitschrift “unterwegs” wurde dazu mein gekürztes Referats am Weekend von Glaube und Behinderung (2010) abgedruckt (siehe ab Seite 14). Herzlich empfohlen!

 

Von gestern auf heute wurde die Software im Hintergrund aktualisiert und danach das Update getestet. Soweit scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Bitte meldet mir per Kommentar, falls irgendwo Verknüpfungen verloren gegangen sind oder andere Fehlfunktionen auftreten. Merci!

 

In diesem Video erläutert Alan Hirsch Prozesse betreffen Kontextualisierung. Für einmal ist damit nicht die Rede von Missionsarbeit in einem fremden Kontext. Denn:

If we represent de Mission of God … it’s gonna become much more complex in order to communicate the Gospel meaningfully. The local church outreach and picnic isn’t gonna cut it any longer. You’re going to have to adopt cross culture mission methodology in the western context.

Immer stärker wird deutlich, dass unsere westlichen Gemeinschaften von Nachfolgern von Jesus Sprache und Lebensstil ihres Umfelds neu kennen lernen müssen. Wir sind nicht mehr von dieser Welt aber nach wie vor in dieser Welt. Doch wie tickt die Welt um uns? Wenn die Kirche Jesus in unserem Kontext ihre Relevanz nicht ganz verlieren will, muss sie sich erneut und hingebungsvoll ihrem Umfeld zuwenden.

 

Diese Frage stellt sich gemäss einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), welche Christen in der Schweiz befragt hat. (Anhänger anderer Religionen wurden nicht befragt.) Signifikant ist bei der Konfessionszugehörigkeit die Zunahme der “Konfessionslosen,” welche 25% ausmachen. Dass Frauen religöser sind, bestätigt den subjektiven Eindruck. Im Zusammenhang mit der Befragung wurden bei der Auswertung zudem folgende vier Kategorien eruiert:

  • Distanzierte (64%): Die grösste Gruppe der Distanzierten glaubt nicht nichts. Distanz zeigen sie gegenüber Religion ganz allgemein aber auch gegenüber alternativen Formen von Religiosität – und gegenüber Religionsgegnern.
  • Institutionelle (17%): Mitglieder der Kerngemeinden der beiden Landeskirchen sowie Mitglieder der evangelischen Freikirchen.
  • Säkulare (10%): Sie sind jeglicher Form von Religiosität gegenüber entweder indifferent oder lehnen diese gar ab.
  • Alternative (9%): Sie kultivieren holistische und esoterische Glaubensansichten und praktizieren Astrologie, heilende Atem- und Bewegungstechniken und andere Rituale.
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